Fußgänger oder Autofahrer: Wer hat Vorrang im Kreisverkehr?

Kommentare · 730 Ansichten

Immer öfter ersetzen Städte und Gemeinden normale Kreuzungen durch einen Kreisverkehr – und das aus gutem Grund: Kreisel gelten als wesentlich sicherer. Doch auch ein Kreisel hat seine Tücken.

Haben Fußgänger im Kreisverkehr Vorrang?

Ein kritischer Punkt im Kreisverkehr ist die Vorfahrtsregel gegenüber Fußgängern. Denn sie besagt, dass Autofahrer beim Einfahren gegenüber querenden Fußgängern Vorrang haben, beim Herausfahren aber auf diese achten müssen.

"Das ist so uneinheitlich geregelt, weil die Zufahrt zum Kreisel gemäß StVO als normale Knotenpunktzufahrt gesehen wird, das Herausfahren aber ein Abbiegevorgang mit den entsprechenden Regelungen ist", sagt Schmotz. Das sei vielen aber nicht bekannt. Entsprechend zeige sich in der Praxis auch eher ein umgedrehtes Bild.

Deutlich klarer ist die Vorfahrtsregelung gegenüber anderen Autofahrern: Hier hat der Verkehr auf der sogenannten Kreisfahrbahn Vorfahrt.

Dazu ist der Kreisverkehr entsprechend gekennzeichnet – neben dem runden blauen Schild mit den drei weißen kreisförmig angebrachten Pfeilen (Zeichen 215, siehe ganz oben) auch mit dem Schild "Vorfahrt gewähren" (Zeichen 205, ein weißes Dreieck mit rotem Rahmen).

Wenn an der Einfahrt nicht das Zeichen 205 angebracht ist, spricht man statt des Kreisverkehrs von einem kreisförmigen Knotenpunkt. Dann gilt die Regelung „Rechts vor Links“.

Auch Radfahrer haben im Kreisverkehr oft einen schweren Stand. "Beim Herausfahren erhöhen viele Autofahrer die Geschwindigkeit, dann jedoch kommt oft von rechts der kreuzende Radverkehr – das ist eine gefährliche Situation", sagt Brockmann.

Kopp verweist zudem auf die bauliche Besonderheit des Kreisels beim Abbiegen: "Durch den Bogen wird der tote Winkel noch vergrößert, das erhöht die Gefahr beim Abbiegen." Die sichersten Kreisel seien daher die, bei denen Fußgänger und Radfahrer erst ein paar Meter von der Kreiselausfahrt entfernt die Fahrbahn kreuzen würden.

Vom kleinen Kreisverkehr zum mehrspurigen Kreisel

Der häufigste Kreisel in Deutschland ist der TU Dresden zufolge der "kleine Kreisverkehr", auch Kompaktkreisel genannt, der den Verkehr einspurig lenkt. Er hat einen Durchmesser von mindestens 26 Metern und eine leicht erhöhte feste Kreisinsel, die oft bepflanzt ist.

Wichtig sei hier, so Schmotz, dass Kommunen die Kreisinsel nicht zweckentfremden würden: "Wenn dort beispielsweise Beton- oder Stahlkunstwerke oder anderes aufgebaut wird, kann das im Falle eines Unfalls mit Auffahren auf die Kreisinsel zu schwerwiegenden Unfallfolgen führen."

Immer öfter sind in kleinen Ortschaften zudem Minikreisel mit einem Durchmesser bis 22 Metern zu sehen. Die Besonderheit hier ist die flache, meist farblich abgesetzte Kreisinsel. Lkw oder Busse dürfen geradeaus rüber fahren, Pkw hingegen nicht. Eher selten sind in Deutschland mehrspurige Kreisel. Wer dort links fahre, müsse zunächst den rechts neben ihm fahrenden Verkehr beachten, bevor er an der Ausfahrt den Kreisel verlassen kann.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
Kommentare